Zusammenstöße von Segelflugzeugen
Obwohl dieser Bericht bereits im Jahre 1995 veröffentlicht wurde, dürfte die Thematik immer noch aktuell sein.
Flugunfall-Information von der Flugunfalluntersuchungsstelle beim LBA, August 1995, auszugsweise:
Nachdem Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre die Zahl der Zusammenstöße zwischen
Segelflugzeugen nicht mehr tolerierbare Ausmaße (15 pro Jahr) angenommen hatte, wurde
das Thema vom DAeC und von der Flugunfalluntersuchungsstelle (FUS) aufgegriffen.
In diesem Jahr 1995 krachte es jedoch bisher schon sieben Mal in der Luft,
beim normalen Thermiksegelflug in der Nahe von Flugplätzen, bei Wettbewerben
und beim Hangsegelflug. Zwei Segelflugzeugführer wurden getötet.
Den anderen gelangen - mit sehr viel Glück - sichere Landungen mit
ihren schwer beschädigten Segelflugzeugen.
- Ist das Gefühl fur die Gefahr durch andere Segelflugzeuge vergangen?
- Nimmt die Aufmerksamkeitaufgrund der vielfältigeren Instrumentierung ab?
- Sind die Silhouetten der Segelflugzeuge kleiner?
- Ist einfach die Risikobereitschaft größer geworden?
Die Segelflugbetriebsordnung empfiehlt:
- Zur Vermeidung von Zusammenstößen mit anderen Segelflugzeugen müssen
die Flugbewegungen im gleichen Aufwindgebiet aufeinander abgestimmt werden.
Koordination ist wichtiger als gegenseitiges "Auskurbeln".
- Der erste im Aufwind bestimmt die Kreisrichtung. Alle nachfolgenden Piloten haben
die gleiche Kreisrichtung einzunehmen. Seitlich in den Kreis einordnen.
- Bei geringem Höhenabstand gleiche Kreisbahnen fliegen, um Überschneidungen
zu vermeiden. Gleiche Kreisrichtung beim Kurbeln auch dann einnehmen, wenn die
Höhendifferenz zwischen zwei Segelflugzeugen ausreichend erscheint, da sonst
weiteren hinzukommenden Segelflugzeugen keine eindeutige Kreisrichtung vorgegeben
ist.
- Stets so fliegen, daß man sieht und gesehen wird. Die eigene Position immer
so wählen, daß Sichtkontakt mit den Mitfliegern besteht. Nicht im toten
Winkel des Mitfliegers fliegen. Besondere Rücksicht erfordern Flugschüler
und ungeübte Piloten.
- Die Anzahl und die Position der Segelflugzeuge, mit denen man gemeinsam fliegt,
sollte stets kontrolliert und überwacht werden.
- Vor allen Richtungsänderungen nach links, rechts, unten und oben ist der
Luftraum zu überprüfen.
- Hochziehen in eine Gruppe kreisender Segelflugzeuge ist verboten.
- Überraschende, abrupte Flugmanöver in der Gruppe sind zu vermeiden.
Die eigenen Flugmanöver müssen fur die Mitflieger stets berechenbar
bleiben.
- Beim Überholen im thermischen Kreisflug sorgt der Überholende für
ausreichenden Sicherheitsabstand.
- Auch in kleineren Gruppen darf die Zusammenstoßgefahr nicht unterschätzt
werden. Beim Zusammentreffen - z.B. auf Streckenflügen - ist die
Bord-Bord-Frequenz 122.80 MHz zu rasten. Bei Wettbewerben ist eine
Sicherheitsfrequenz üblich.
- Grundsätzlich müssen Sichtbehinderungen vermieden werden (z.B.
Kartenspiegelungen in der Haube). Sonnenhüte mit breitem Rand oder mit
großem Schirm dürfen nicht verwendet werden.
Also:
- Ständig und aufmerksam den Luftraum beobachten!
- Wenn es eng wird, defensiv fliegen!
- Im Zweifelsfall lieber den Absaufer als das Leben riskieren!
